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Stellenanzeige abgeschafft: Zappos neuer Weg für Bewerber

Stellenanzeige abgeschafft: Zappos neuer Weg für Bewerber

Weil Arbeitskultur und HR nicht im Einklang sind, schafft das US-Unternehmen die Jobausschreibung ab

Stell dir vor, es gäbe keine Stellenanzeigen. „Das ist doch Unsinn“, magst du dir jetzt denken. „Wie soll das denn funktionieren?“ Tatsächlich hat der amerikanische Onlineshop Zappos diesen Schritt zu einer ganz neuen Art des Recruitings gewagt und verzichtet ab sofort auf Stellenausschreibungen. Denn die Personalbeschaffung, erklärt Senior HR-Manager Mike Bailen, sei bislang ein grundlegend mangelhafter Prozess gewesen. Das Unternehmen zieht nun die Konsequenz und möchte mit dieser Pionier-Entscheidung die eigene Arbeitskultur mit dem Recruiting in Einklang bringen. Neue Mitarbeiter finden und einstellen, ohne eine Stellenanzeige zu schalten - kann das wirklich funktionieren?

 

Über 1500 Angestellte arbeiten bei dem eCommerce Unternehmen Zappos, 450 weitere sollen dieses Jahr noch angestellt werden. Der Online-Versandhandel für Schuhe und Mode, der seit 2009 zu Amazon gehört, ist erfolgreich und wegen seiner besonderen Arbeitskultur immer wieder in den Medien. Das Wohlfühlen und der Spaß im Job sind dem Unternehmen wichtig und zum Jahresbeginn wurden die konventionellen Hierarchie-Strukturen und sogar Job-Titel abgeschafft.

 

Diese Unternehmenskultur stehe in krassem Kontrast zum konservativen Recruiting-Prozess, so HR-Chef Bailen. Bei der Bewerbungsflut von 31 000 Zuschriften auf eine Stellenausschreibung wird jeder Lebenslauf nur etwa fünf bis sieben Sekunden überflogen. Recruiter sind überfordert, die Zeit ist knapp. Obwohl man sich sehr um die Arbeitskultur sorgt, sollen offene Stellen so schnell wie möglich besetzt werden. Das führte zu Fehleinstellungen, die das Unternehmen Millionen kostete. Wer abgelehnt wird, bekommt eine Standard-E-Mail, es gibt keine Interaktion und keinen Beziehungsaufbau zu den Bewerbern, kritisiert Bailen. Ein einseitiger Prozess mit großem Aufwand. Außerdem verlassen 80% der Besucher die Karriereseite wieder, weil in den Stellenanzeigen gerade keine passende Position angeboten wird. Potentielle Mitarbeiter gehen damit schon im Vorfeld verloren.

 

Also weg mit den Jobanzeigen. Stattdessen können sich Interessenten auf der Karriereseite die einzelnen Abteilungen ansehen: Fotos der Mitarbeiter, Bilder aus dem Büro und von Events, Infos zur Kultur, den Werten und die aktuellen News. Ein Einblick also, der den passenden Bewerber in das passende Team bringen soll. Außerdem können Interessenten auf dem unternehmenseigenen sozialen Netzwerk Mitglieder werden, sich austauschen und mit den Teams in Kontakt bleiben. So lernen sich beide Seiten besser kennen. Wird dann eine Stelle frei, sind den Abteilungen bereits eine Reihe von Bewerbern bekannt und sie können einschätzen, wer geeignet ist. HR-Manager Mike Bailen verspricht sich von dieser Methode, dass sie gezielter und qualitativer ist und das Problem des gegenseitigen „Bewerbungs-Spams“ löst.

 

Wie aber kommt dieser Schritt bei anderen Unternehmen an?


„Durch das Abschaffen der Stellenausschreibung wird man die Bewerberflut auch nicht in den Griff bekommen, sondern eher befeuern“, sagt Christoph Grimm, Mitgründer des Online-Marktplatzes Tivity aus Köln. Auch wenn Stellenanzeigen Schwächen haben, sieht er sie als ein gutes Werkzeug, mit dem ein Unternehmen sich selbst und auch seine Kultur präsentieren kann: „Häufig sind Ausschreibungen, vor allem für Aushilfen oder Praktikanten, ein Sammelsurium von Worthülsen. Aber man kann auch über die Tonalität und Formulierung einen ersten wichtigen Eindruck bei seinen potentiellen Bewerbern hinterlassen, der zeigt, ob das Arbeitsumfeld spannend und kreativ ist.“

 

Er hält es für besser, die Jobanzeige dafür zu nutzen, dem Interessenten mitzuteilen, dass bei Tivity die Noten nicht interessieren, als es gar nicht mehr zu kommunizieren. „Wenn ich einen Entwicklersuche“, erklärt Christoph, „möchte ich natürlich schon, dass er die entsprechenden Sprachen oder das Framework beherrscht. Sein Bildungsweg interessiert mich dabei nur marginal, wenn die Referenzen für sich sprechen.“ Eine Ausschreibung, die an öffentlichen Plätzen wie Hochschulen ausgehangen wird, könne durchaus als Kommunikationsmittel zum Einsatz kommen, um das gewünschte Bild des eigenen Unternehmens nach außen darzustellen.

 

Ob es ganz ohne Stellenanzeigen klappt, bleibt fraglich. Denn das passende Unternehmen muss der Bewerber erst einmal finden: Über Stellenausschreibungen oder eben Karriereportale. Diesen Unterschied bekommt Christian Thum von eShot aus Berlin gerade live mit: „Wir hatten schon länger Stellenanzeigen online, weil wir ständig Verstärkung suchen“, sagt er. „Das plätscherte so vor sich hin. Seit wir auf feelgood@work online sind, ist das eine richtige Flut geworden. Am Tag kommen 10 bis 15 Bewerbungen an, nicht nur über feelgood direkt, sondern auch über unsere Internetseite. Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, sie alle anzuschauen." Alle Bewerbungen beziehen sich auf die ausgeschriebenen Stellen. „Viele geben ihre Online-Visitenkarte ab“, so Christian weiter. Diese Funktion richtet sich an diejenigen, die noch nicht bereit für eine Bewerbung sind, sich aber für das Unternehmen interessieren. Sie können sich zwanglos online vorstellen, eine Nachricht hinterlassen und das Unternehmen kann sie dann kontaktieren, wenn ihm die Visitenkarte gefällt.

 

Generell kann wohl sagen: Je mehr authentische Einblicke man in ein Unternehmen bekommt und je mehr Kontakt und Interaktion besteht, desto besser können beide Seiten auch abschätzen, ob sie zusammen passen. Der Weg, den Zappos hier einschlägt, ist definitiv spannend und entspricht genau der Philosophie von feelgood@work: Erst ein Gefühl für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu entwickeln und sich dann zu bewerben. Interessant wird es, wenn Arbeitgeber erkennen, dass man auch auf anderen Wegen als nur über Bewerbungen mit interessanten Kandidaten in Kontakt kommen kann. Neue Möglichkeiten, wie sie Zappos hier anwendet, führen dazu, dass – "Gott bewahre" – die Suche nach dem neuen Arbeitsplatz fast Spaß macht.

Quelle: http://goo.gl/DZ0a04

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